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Sonntag, 13. November 2011

Los! Spring, FDPler! Übers Stöckchen! Los!

Der frühere Bundes-Innen- und -aussenminister, frühere FDP-Bundesvorsitzende, frühere Comic- und Witzfigur ("Genschman", "don't genscher me!") noch Ehrenvorsitzende der FDP (das ist eine dt. Partei!) schreibt an die Bevölkerung und die sich darin versteckenden FDPler unter dem Titel "Spring, Europa" und leitet seinen Artikel ein ganz im Allgemeinen ein:
Diejenigen, die Deutschland aus der europäischen Verantwortung herauslösen wollen, erscheinen engstirnig, egoistisch und zerstörerisch. Hans-Dietrich Genscher meint, wir brauchen Klarheit und eine gerechte Weltordnung.
Dr. Genscher beschreibt leider nicht, wen er mit seinem ersten Satz meint. Wer will herauslösen? Meint er seinen Nachfolger in vielen Ämtern (Bundesvorsitzender, Aussenminister) mit "engstirnig, egoistisch und zerstörerisch" und kritisiert die Beliebigkeit Dr. Westerwelles? Meint er den überforderten Bundesfinanzminister und Spendenvergesser Dr. Schäuble, der dt. Vermögen in ein griechisches Loch ohne Boden wirft? Meint Dr. Genscher etwa die übermächtige und taktierende CDU-Chefin und Bundeskanzlerin sowie ihre Paladine? Oliver Fink kommentiert in Facebook:
Ich nehme keine Stimmen wahr, die "Deutschland aus der europäischen Verantwortung herauslösen wollen", sondern lediglich solche, die im europäischen Rechtsrahmen handeln, und solche, die ihn brechen wollen. Halluziniert der alte Mann?
Von welcher Verantwortung schreibt er? Stellt sich Genscher über den liberalen Grundsatz der EIGENverantwortung, d.h. dass man nicht für die Fehler anderer Leute haften soll, sondern "nur" für die eigenen Fehler? Meint er also die Verantwortung für die Fehler der dt. Regierungen und deren Kanzler, denen auch dieser Aussenminister Genscher "diente"?
Wie mag er darauf kommen, dass irgendjemand das größte Land Europas aus Europa herauslösen will? Leider benennt er für seine Beschimpfung keinen Anlass, keine Quelle, keinen Beweis.

Warum fängt Genscher so einen Artikel an? Wozu hält "der alte Fuchs" dies für den Eyecatcher seiner weiteren Ausführungen? Hat er in der langen Abwesenheit nicht gemerkt, dass in der von ihm so lange dominierten FDP inzwischen Kritik, Diskurs, eigene Meinung oder gar deren öffentliche Äußerung nicht mehr gewünscht ist?

Er erwähnt sich schon im Teaser mit zwei pauschalen, ebenfalls unbegründeten Forderungen und behauptet fröhlich "Wir brauchen ..." - dazu habe ich bereits gebloggt.
Er fordert "Klarheit" und "gerechte Weltordnung". Über diese beiden Begriffe könnte man nicht nur eigene Blogs, sondern ganze Bücher schreiben.
Wenn Dr. Genscher "Klarheit" fordert, dann fehlt ihm wohl diese Klarheit im ausreichenden Maße. Sicherlich ist der Wunsch nach Klarheit jederman zu eigen, erleichtert er doch das Leben ungemein, wenn alles so klar wäre, wie ist z.B. im "kalten Krieg" mal war: Dort die "Bösen", hier "die Guten" - aber die Welt dreht sich ja weiter, verändert sich. China ist eine Bedrohung, ein wichtiger Handeslpartner, der künftige Weltenherrscher oder "bloß" ein Entwicklungsland, dem "wir" helfen können, helfen "müssen" (->Entwicklungshilfe, d.h. Geld)

Eine "gerechte Weltordnung" ist ein bombastischer, ultimativer Anspruch Genschers. Er postuliert, dass es für die ganze Welt, alle Menschen aller Länder aller Kontinente "gerecht" sein soll, wobei eigentlich doch jedem vernünftigen Menschen klar (!!) ist, dass es nicht mal in der eigenen Beziehung, Familie, Nachbarschaft "gerecht" zugehen kann und niemals wird. Liberale wissen nicht nur und billigen, dass alle Menschen unterschiedlich sind. Unterschiedlich in ihren Eigenschaften, in ihren Wünschen und Bedürfnissen. Liberale akzeptieren, dass diese Menschen unterschiedliche und dynamische Präferenzen haben. Wenn Einer jetzt mal Ruhe haben will, kann und wird ein Anderer gleichzeitig gerne Musik hören wollen. Was ist jetzt "gerecht"?

Genscher schreibt weiter:
"Es gibt Zeiten, in denen sich die Probleme türmen."
aber er meint damit nicht die Zeit seines größten Einflusses, als sich auf dt. Boden zwei Systeme bis an die Zähne bewaffnet gegenüberstanden. Er meint damit wohl nicht die Zeit, als sich mutige Bürger im Osten Deutschlands mit einer eigenen Meinung auf die bestens überwachten Straßen trauten, während im Hintergrund 500.000 Soldaten der Roten Armee auf einen neuen Einsatzbefehl warten.
Er meint bestimmt die heutige Zeit, in der die Rote Armee erstmal durch das NATO-Land Polen müsste, um bis zum Rhein vorzustoßen, sich den noch vorhandenen Wohlstand Deutschlands zu sichern. Russland geht heute selbst einen eher kapitalistischen Weg ohne militärische Gewalt gegen Nachbarländer. Heute dreht man den Nachbarn einfach den Gashahn zu.
Die selbstgemachten Probleme (z.B. Staatsschulden in allen westlichen Staaten) in unserer Zeit sind -nach unerheblicher Meinung des Autors- weitaus geringere Probleme, als in früheren Zeiten, aber sie überfordern die aktuelle politische "Führung" mehr als frühere Politiker - was man denen wohl kaum zum Vorwurf machen kann.

Nach dem m.E. missglückten Einstieg wird im folgenden Genschers Artikel mit der Beschreibung der wirtschaftlichen Lage durchaus richtig weitergeführt, bis er wieder umkippt:
Vor diesem Hintergrund erscheinen alle diejenigen, die Deutschland aus der europäischen Verantwortung herauslösen wollen, engstirnig, egoistisch und zerstörerisch. Mit ihrer Parole „Raus“ bieten sie vermeintlich einfache Antworten, aber eine Lösung zeigen sie nicht auf.
Es bleibt völlig ungeklärt (Klarheit!!): Wer hat wann zu wem weshalb "Raus" gesagt?  Meint Dr. Genscher vielleicht Griechenland, dass mit einer vernünftigen Finanzpolitik nicht klarkommt und deshalb die EURO-Zone verlassen sollte?
Wer gibt wem Parolen aus? Ist es nicht auch eine vermeintliche Parole, dass irgendjemand ganz Deutschland aus irgendeiner "europäischen Verantwortung" herauslösen wolle?

Wenn es für griechischen Staatsschulden besser ist, dass Griechenland sich eine andere Währung sucht, klar (!!) Schiff macht - warum sollte das eine "vermeintlich einfache Antwort" sein? Das Ausstiegsverfahren ist bei der Gründung des EURO m.E. fahrlässigerweise nicht beschrieben worden, nicht geKLÄRT. Rechtliche, wirtschaftliche, finanzielle Fragen ohne Ende werden sich stellen. DAS soll "vermeintlich einfach" sein??

Welche Lösung welches europäischen Problems liefert denn Dr. Genscher? Ist die von Genscher selbst aufgeworfene Frage "Mehr Europa oder weniger " nicht eine zu sehr vereinfachte Frage?
Wieso benutzt Dr. Genscher die Merkelsche Floskel und Killerphrase es gäbe keine Alternative, wenn es gerade in der liberalen Realität natürlich IMMER Alternativen und WahlFREIHEIT für ALLES gibt?
Es könnte sein, dass er eine nur-rhetorische Frage gestellt hat, deren einzige Antwort er selber liefern will, deren Alternative er mit Tricks desavoieren will?
Man unterschätze nicht die weltweiten Proteste dieser Tage. Das sind keine Europagegner und es sind auch keine verkappten Sozialisten. Die Menschen wollen Klarheit und Wahrheit und eine gerechte Weltordnung. 
Dr. Genscher leistete und leistet wieder seinen Beitrag, dass die Menschen nicht die Wahrheit und die Klarheit bekommen, geschweige denn eine "gerechte Weltordnung". Er hält den FDP-Mitgliedern m.E. ein Stöckchen hin, über das sie wie ein dressierter Pudel springen sollen.

Josef Huber kommentiert in Facebook den Artikel:
Genscher sollte (wie H. Schmidt) versuchen, den guten Ruf der ihm noch anhaftet, jetzt nicht mit übermütiger Schwatzhaftigkeit zu zerstören. Der Mann wird überschätzt, auch von sich selbst. Seine Erfahrungen stammen aus einer Zeit, in der die Aussenpolitik Deutschlands von den Allietren gemacht wurde und simpel war. Heute reicht es nicht mehr, grinsend mit dem Scheckbuch die Welt zu bereisen, um Deutschlands "Ansehen" zu stärken. Bin ich ich der Einzige, der das Gefühl hat, dass viele die sich durchaus ihr Leben lang die Taschen gefüllt haben, dann im Alter nochmal so richtig mit wohlfeiler "Sozialpolitik" auffallen wollen, wohlwissend, daß es sie selbst nicht mehr kratzen wird?

Sonntag, 16. Oktober 2011

Um was geht es beim ESM?

Sven Kortmann fragt in Facebook:
Viele Bürger verwechseln Europa mit der EU und der EWWU. Ebenso verhält es sich mit dem ESFS mit dem EMS. Kaum jemand kennt die Aufgaben der EZB und die Wenigsten können etwas mit dem Maastricht- oder Lissabonvertrag anfangen. Kann man sich mit diesem Halbwissen eine echte Meinung bilden oder ist man dadurch besonders empfänglich für Populismus?
Der Autor meint, man kann es auf ein paar einfache Fragen zurückführen:
  1. Halten wir uns an Verträge, die wir mal freiwillig eingegangen sind? Das können auch die einfachsten Leute beantworten: Wer einmal lügt, ...
  2. Ist es gut, wenn manche Leute irrsinnig viele Schulden machen, das Geld verjuxen und andere Leute sollten dafür mit ihrem Ersparten bezahlen?
  3. Wollen wir den Irrsinn ewiglich (wörtlich zu nehmen!!) weitermachen oder bis 2013 begrenzen?
  4. Wollen wir das ein Governeursrat, der über allen Gesetzen steht, in das Haushaltsrecht aller Parlamente hinweg handeln kann und beliebig mehr Geld verlangen kann?
  5. Wollen wir bei solchen Entscheidungen gefragt und unsere Meinung berücksichtigt wissen oder kann das eine Frau alleine entscheiden?
  6. Wer weiß, wer sagt uns Bürgern, was das alles kosten wird und woher das Geld konkret stammt?
  7. Wollen wir, das irgendwelche Partei-Chefs über den Wert und die Stabilität unseres Geldes bestimmen können oder sollte das besser von allen Politikern unabhängig sein?     

Samstag, 15. Oktober 2011

Was erwarten gewöhnliche Menschen von einer "mehr Europa"-Politik?

Die dt. Zeitung WELT behauptet:

Die Deutschen wollen mehr Europa
Die Deutschen blicken wegen der Schuldenkrise in Europa so sorgenvoll in die Zukunft wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Obwohl sie die konkreten Maßnahmen der Bundesregierung zur Stabilisierung des Euro mehrheitlich ablehnen und der Regierung insgesamt ein schlechtes Zeugnis ausstellen, stehen sie der europäischen Einigung nach wie vor grundsätzlich positiv gegenüber.
Die FDP-Führung hat dies sich zu eigen gemacht und fordert jetzt ihrerseits "mehr Europa".
  • Eine Stabilitätsunion für „Mehr Europa"
    Außenminister Guido Westerwelle hat in der Debatte zum Etat seines Ministeriums deutlich gemacht, welche Kernherausforderung es im kommenden Jahr zu meistern gilt. Es geht um die Frage, wie Europa nach der derzeitigen Krise aussehen wird – ob die EU gestärkt aus der Krise herauskommt oder ob sich die Länder renationalisieren. Für die Bundesregierung soll am Ende ein „mehr Europa“ stehen.
  •  ...




Andreas Stein erstellte auf Facebook ein offene Umfrage für alle Teilnehmer:

Als Antwort auf die Krise steht die Forderung nach »mehr Europa« im Raum. Was bedeutet »mehr Europa« Ihrer Meinung nach konkret?
und nach 686 Stimmen gibt es folgende Zwischenresultate:
  1. Weniger Demokratie (53+34 Stimmen)
  2. Mehr Steuern und Abgaben (70 Stimmen)
  3. Mehr Politiker in Lohn und Brot auf Staatskosten (65 Stimmen)
  4. Mehr Zentralismus (55 Stimmen)
  5. Mehr Schulden und Kredite (48 Stimmen)
  6. Weniger Verantwortung des Einzelnen (45 Stimmen)
  7. Mehr faschistischer Superstaat (42 Stimmen)
  8. Mehr undemokratisches Reglement auf allen Gebieten (35 Stimmen)
  9. Mehr Krise (34 Stimmen)
  10. Mehr Reglement auf allen Gebieten (32 Stimmen)
Wenn man das zusammenfasst, dann haben die meisten Umfrageteilnehmer negative Beurteilungen in ihrer freien Einschätzung was "mehr Europa" konkret bedeuten wird.

Wie wird man diese Bedenken zerstreuen, wenn die Abgeordneten dem ESM und der Immunität der Governeure, dem Durchgriff auf die Haushalte durchwinkt?
Wo ist da der liberale Ansatz, die liberalen Brot-und-Butter-Themen wie Freiheit, Verantwortung, Subsidarität, Transparenz?

Dienstag, 4. Oktober 2011

Der Bundesaussenminister Westerwelle spricht u.a.:
"Umso wichtiger ist es, dass wir der Debatte über die Zukunft Europas die richtige Richtung geben.
Der Autor findet interessant, dass der Diskussion unter freien Bürgern im freien Europa die politische Exekutive eine (!) Richtung "geben" will, d.h. die Diskussionen steuern und beeinflussen will.
Wer sollte idealerweise über die Zukunft ihres Leben bestimmen - die Politiker oder besser Bürger selbst?
Ist das Ziel unseres Protagonisten der europäische Nannystaat, der räumlich weit über Maas und Memel, Etsch und Belt hinausreicht und tief und tiefer in das Leben der Bürger Europas eingreift (z.B. Glühbirnen, Gurkenkrümmung)?

Nach Dr. Westerwelles Ansicht laute die "Gretchen"-Frage:
Brauchen wir mehr oder weniger Europa?
Was mag Dr. Westerwelle unter "Europa" verstehen?
  • Die übermäßige Bürokratie, das besserwissende Bestimmen? 
  • Die Verschwendung und die Veruntreuung der anvertrauten Gelder aus Steuerzahlers Taschen? 
  • Mehr Kontrollen, mehr automatisierte Überwachung aller Bürger, mehr Datensammlungen?
  • Noch mehr Verordnungen und "Richtlinien" - 1.400.000 Dokumente (?), ca. 1500 Tonnen schwer.
  • ...
Er stellt weiter fest:
In dieser Frage dürfen wir dürfen nicht den Eindruck entstehen lassen, die Wahrung nationaler Interessen stehe in einem Gegensatz zur Fortentwicklung der europäischen Einigung. Wer so argumentiert, liegt falsch. Renationalisierung ist ein gefährlicher Irrweg.
Was ist wohl für einen amtierenden Politiker der Unterschied zwischen "nationalen Interessen" und dem Interesse der Bürger seines Heimatlandes? Wer definiert die "nationalen Interessen" und wer hat diese Interessen um welchen Preis international zu vertreten, zu verhandeln, zu verteidigen? Was ist z.B. mehr als 211.000.000.000€ wert, die die Bundesregierung gerade den anderen Europäern versprochen hat? Warum ist das "nationales Interesse" und was war nur die teurere Alternative? Das "Vertraut uns" der Politiker ist für so viel Geld zu wenig.
Warum ist die Beibehaltung der nationalen Souveränität ein Irrweg, wenn er sich 60 Jahre bewährt hat? Warum sollte das falsch sein?
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Antwort auf die Schuldenkrise und die Herausforderungen der Globalisierung liegt nicht in „weniger Europa“, sondern in „mehr Europa“.
Mag sich jetzt jeder vorstellen, was er will.
Das ist die Botschaft, die wir jetzt senden müssen. Wir müssen klar und deutlich sagen, wo wir stehen.
"Müssen"? Jetzt? Warum?
Ja, es wäre sicherlich mal interessant zu erfahren, wo die Bundesregierung meint zu stehen. Bisher ist das wohl in Deutschland nur deren Speichelleckern und Hofschranzen bekannt. Fragen wir doch mal den dt. Bürger wo er steht!
Wir Deutsche wissen, dass unsere Nachbarn in Europa das gerade von uns erwarten.
"Wir Deutsche"?? Wir alle?? Alle Deutsche?? "Wissen" ??
Natürlich wollen alle Menschen in Europa wissen, wo das größte Volk Europas steht oder ob es wieder marschiert und wenn ja wohin. Die Deutschen wüssten das auch gerne, wohin Merkels Bundesregierung jetzt wieder hin-zaudert und weg-zögert oder umfällt.

Im Ergebnis hat der Autor keinen Bock mehr, den Text weiter zu durchleuchten. Dieser erfahrene Politiker kann schneller Unsinn erzählen, als ihn normale Menschen verstehen können. Vermutlich sollen sie das nicht mal. Die Bürger sollen nur bezahlen, schweigen, weiter bezahlen, was solche Politiker versaubeuteln.

Der Autor hat auf all das keine Lust mehr.

Update:
Eine Gegenrede: http://michael.von.prollius.de/archiv/S.%2018%20JF%2039-11%20Forum-3.jpg

Sonntag, 21. August 2011

Was die Zukunft u.a. bringt

Im staatlichen Deutschland-Funk erfährt man:
"Eine Politik, die Wohlstand für alle verheißt, in Wahrheit aber durch Schulden zukünftige Armut erzeugt, die Regeln und Verträge bricht und Demokratie als lästig vermeidet, die spielt mit dem Feuer. Wenn Europa nicht mehr Hoffnung macht, sondern Angst, dann dürfte es eine neue Konjunktur geben. Für Protest und brachiale Konflikte. So sind die Zeichen."

Sonntag, 26. Juni 2011

Europa, Euro, EU und EUdSSR

Der Autor möchte ein paar Begriffe mal auseinander halten, die in vielen Debatten gerne abwechselnd und synonym verwendet werden:
  • Europa
    ist für mich der Kontinent. Das sind die Landschaften, von Gebirgen bis Wüsten, Meere und Seen. Das sind die Städte und Dörfer. Das sind auch die Leute, die in Europa leben, die Europäer.
  • Euro
    ist eine Bezeichnung für eine gemeinsame, europäische Währung. Diese Währung ist (noch) unser Geld. Wichtige beabsichtigte Ziele dieser Währung sind 
    • seine Wertstabilität (keine bis kaum Inflation)
    • Unabhängigkeit von politischen Interessen(sgruppen)
    • ...
  • EU
    ist das Staatengebilde aus den (National)Staaten Europas. Die EU hat sich durch die Untätigkeit, Desinteresse der europ. Bürger zu einem teuren, unflexiblen Bürokratie-Monster entwickelt, die sich in viele Bereiche des Zusammenlebens einmischt, obwohl sie es gar nicht müsste: der EUdSSR
  • Europäisches Parlament
    ist ein wichtiger Schritt zu einem demokratisch gesteuertem Europa, bei dem die Bürger und nicht die Bürokraten das Sagen haben. M.E. sollte die "Regierung" der EU nicht durch die Regierungen der Nationalstaaten bestimmt werden, sondern ausschließlich vom EP und den dortigen Abgeordneten.
Wenn die Währung Euro tatsächlich komplett untergehen sollte, dann werden wir Bürger Europas halt eine andere Währung benutzen. Europa, die Bürger, die Arbeitsplätze, die geistigen, finanziellen und materiellen Werte und das Bedürfnis nach Handel wird es weiterhin geben und es werden sich Lösungen finden, denn es gilt: TATA.

Wenn die Währung Euro kaputt geht, wird dann die Landschaft Griechenlands von den anderen Landschaften Europas getrennt? Sprechen wir dann nicht mehr miteinander - Nach Überzeugung des Autors wird das nicht passieren. Fast gar nichts wird dann passieren. Die Verknüpfung der Kunst-Währung "Euro" mit dem Schicksal Europas ist nur ein Popanz, eine diffuse Schreckensdrohung ohne realen Inhalt.

Wenn die EU zu fett, zu teuer, zu träge wird, dann muss man die EU wieder auf das zurückführen, was einfach, niedrige Kosten hat und gerecht arbeitet. Vielleicht ist die EU als EUdSSR schon verbrannt?
Vielleicht können oder müssen die Bürger die EUdSSR zu etwas wie den "Vereinigten Staaten von Europa" ausbauen, indem sie das Beste mitnehmen und Lehren aus den gemachten Fehlern ziehen, damit für die Menschen Europas mit einer Stimme gesprochen und gehandelt werden kann, wenn es um kontinentale Fragen und Entscheidungen geht, die bald anstehen.
Das kleine Hessen oder das unwichtige Deutschland können sich m.E. nicht mit China auf gleicher Augenhöhe unterhalten, wir Hessen oder Deutsche sind dazu zu klein, zu wenige. Selbst Europa wird gegen diese Riesen klein sein, aber es wird weiter mit am Tisch der G8 sitzen können, wenn wir uns einigen. Noch sind die Chancen dafür gut. Wir sollten sie uns erhalten.

Update:
Es ist inzwischen (Stand Mitte 2011) klar, dass die o.g. Ziele in der euorpäischen Realität alle nicht erreicht wurden und statt dessen alle Befürchtungen, die sich mit dem Euro verbanden, wahr wurden. Der politisierte Euro hatte und hat kaum Wertstabilität, seine Unabhängigkeit von politischer Einflußnahme hat gleich nach seiner Gründung entscheidende Schwächung bekommen. Aktuell ist er ein Spielball mit massiven Eigeninteressen in der Euro- und Staatsschuldenkrise geworden.

Freitag, 22. April 2011

Uns geht’s wohl zu schlecht

Im European schreibt man über die Situation in Europa, so weit, so gut:
Versuchen wir es also anders, mehr theoretisch.
Der Andere ist schuld
Ob es dem Menschen gut geht, lässt sich durchaus auch an seinem Sozialverhalten ablesen.
Interessanter, sinnstiftender Ansatz: Man beobachtet staatlicherseits alle Menschen. Dann kann "man" selbst entscheiden, welchen der Bürger es "gut" oder gut genug geht, welchen Menschenmengen, der Minderheit oder der Mehrheit es  "gut" geht, "gut genug" geht.
Wenn es ihm gut geht, materiell und seelisch, wenn er die Situation, in der er lebt, als stabil empfindet, also keinen sozialen Abstieg befürchten muss,
Das vorgenannte ist doch eine nette Beschreibung: "Gut" kann es nur sein, wenn es
  • materiell und 
  • seelisch gut ist
  • eine stabile Situation
  • "also" keinen Abstieg befürchten 
muss ?? Dank der fleißigen, mutigen, flexiblen, tapferen Arbeitsleistung unserer Großeltern und Eltern lebt die jetzige Generation in einem hohen Wohlstand. Gut 100% der Haushalte haben Strom, fließend Wasser, Zentralheizung, elektr. Herde, selbst Waschmaschinen, Fernseher, Telefone sind fast überall vorhanden und werden (überheblich) als selbstverständliche Grundausstattung und Grundrecht angesehen. Seit 60 Jahren haben wir Frieden in Europa, sind mit allen Nachbarländern befreundet. Die Natur ist befriedet, größtenteils gebändigt, gehegt und gepflegt. Religiöse oder moralische Fragen berühren uns kaum noch, glauben viele Menschen.
Die (staatlichen, betrieblichen, sozialen, religiösen) Regeln des Lebens haben mit lockerem Faden ein ganz festes Band um alles und jeden Aspekt unseres Lebens gewunden. Kinder dürfen keine Taschenmesser mehr bei sich tragen, wer sich einen Apfel pflückt, kommt vor Gericht. Sie erkennen (noch) nicht, dass viele von uns Bürgern so gerne genutzten, manchmal auch heftig kritisierten Ressourcen am Zerbröseln sind. Wir sägen uns selbst den Ast ab, auf dem wir so bequem sitzen, vergleicht man die Situation deutscher Bürger mit der Lebenswirklichkeit ausserhalb der Festung Europas. Viele kennen es nicht anders - sie empfinden die sich m.E. immer rapider verschlechternde Situation als "stabil". [Der Autor empfiehlt dringend das Buch "Die Mäusestrategie" zu lesen]. Vor jeglichen Veränderungen haben sich viele Leute eine Furcht oder "German ANGST" zugelegt.

Man stelle sich nur mal vor, die Menschen 1948 hätten sich im zerstörten Europa, mit Millionen Vertriebenen, mit Millionen WIRKLICH schwer traumatisierten Menschen auch so verhalten: Sie wären in den zerbombten Städten in den kalten, zugigen Kellern sitzen geblieben, hätten um die wenigen Nahrungsmittel angestanden, mit gefundenem Holz geheizt, würden lesen, was die Regierung ihnen zu lesen gibt. Sie hätten ja auch sagen können: wir LEBEN noch, wir HABEN zu essen, wir WOHNEN irgendwie, wir arbeiten KAUM, andere Menschen sorgen für uns ("Care-Pakete"). Die Situation war auch "stabil" und sie war im "zerstörten" Deutschland noch besser als in den Nachbarländern. Warum hat man das nicht so beibehalten? Warum haben sich unsere (Groß-)Eltern sich bemüht, sich nur engagiert, sind umgezogen, haben neue Berufe ergriffen, neue Geschäfte aufgebaut, getauscht, gehandelt, gearbeitet, repariert, saniert, umgebaut? Warum wurde durch diesen kapitalistischen, friedlichen Prozess so viel Gutes und Neues geschaffen, das breiteste Bevölkerungsschichten zu nie vorher genannten Wohlstand befähigte?

Muss man aus der heutigen Situation eines durchaus wohlhabend bis reich zu nennenden Europas sich etwas Sorgen machen, dass diese Periode nicht bis in alle Ewigkeit anhält? Nein, danke!
neigt er eher zu Toleranz und Friedfertigkeit,
Weil er sich selbst über die eigenen Zukunftsaussichten täuscht und den klaren Erkenntnissen verweigert, neigt "er" zu Toleranz und Friedfertigkeit?? Toleranz ist nur ein Ergebnis der Situation, keine Voraussetzung, kein Wesenszug? Was für ein schreckliches Menschenbild haben die Autoren über die europäischen Menschen.
schon deshalb, weil ihm dann vieles egal sein kann;
Ist das nicht genau das Thema, dass die herrschende politische Klasse der Bevölkerung in ganz zu suggerieren versucht: Lasst uns nur machen, wir werden euch schön "beschützen", alles bleibet wie ihr es kennt, nur immer "Weiter so!"
man darf unterstellen, dass eine lebenslange Sofortrente z.B. das Interesse an Europa und seinen Abzockpolitikern auf der Stelle schmälert. Ohne diese Sofortrente und also dem alltäglichen Existenzkampf unterworfen, hat der Mensch, der weiß, dass er in einer Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft lebt, Angst, denn jeder Wettbewerb hat Verlierer.
Das ist ja genau der wunderbare und tolle Unterschied zwischen Wettbewerb bei dem es tatsächlich (einen, wenige) Gewinner und sonst nur Verlierer gibt zur Marktwirtschaft, wo es NUR Gewinner bei jedem FREIwilligen Geschäft gibt. Aber wie heisst es auch schon bei Olympia: Das Dabei-sein ist alles! Wer nicht mitspielt, soll sich nicht über die Ergebnisse beschweren, wie man heutzutage auch gerne in der Politik den Kritikern vorhält.

Wer arbeitet, bekommt MEHR Geld und Zufriedenheit als jemand, der nicht arbeitet. Wer mehr LEISTET, sollte mehr haben / dazubekommen, als jemand, der wenig oder nichts leistet. Wenn jemand mit seiner Situation nicht mehr ganz zufrieden ist, könnte er / sie ja auf die Idee kommen, etwas anders, besser zu machen, um sich und gleichzeitig alle anderen etwas besser zu stellen - und siehe: es wird funktionieren. Nicht immer funktioniert es beim ersten Mal, es funktioniert nicht bei jedem in jedem Thema an jedem Ort. Alle Menschen müssen es halt probieren. Wer nicht probiert, der wird durch die anderen Menschen dann nach hinten durchgereicht und sollte sich mit den Folgen der eigenen Entscheidung abfinden. Klagen über "Benachteiligungen" sollten auch entsprechend eingeordnet werden.
Wettbewerb, Konkurrenzkampf, die Forderungen des Weltmarkts sind aber gut, ja das Gute schlechthin.
Wettbewerb ist tatsächlich gut, meistens aber nicht immer.
Konkurrenz belebt das Geschäft - meistens, aber nicht immer.
Irgendwelche Forderungen des Weltmarktes erlauben Massenproduktion und fördert die Arbeitsteilung, schafft günstige UND qualitativ hochwertige Produkte, die sich viele Menschen leichter leisten können, schafft Arbeitsplätze - meistens.

Müssen die Autoren so übertreiben - "das Gute schlechthin"? Sollte rhetorisch ein Popanz aufgebaut werden, der mit den nächsten Satz ad absurdum geführt und somit widerlegt wird? Dann ist die Übertreibung nicht zu widerlegen, sondern die Übertreibung ist zu rationalisieren, zu "erden", um zu zeigen, was tatsächlich gut, und was manchmal schlecht empfunden werden kann.
Wären sie es nicht, dann wäre die Welt, in der man lebt, nicht die beste aller Welten, und das ist sie, darin sind sich 98 Prozent aller Medien einig.
Dieser Autor lebt gerne in einem wohlhabenden Land unter wohlhabenden Mitbürgern, in dem der Großteil aller Krankheiten geheilt werden kann. Andere Sozial- und Wirtschaftskonzepte haben sich als bei weitem nicht so leistungsfähig erwiesen, namentlich ist der Sozialimus und Kommunismus als gescheitert anzusehen.
Aber die Angst, sie ist doch da. Was also ist für die Angst verantwortlich, wo ist der Feind, wenn er nicht grad als Stasi durchs Abendprogramm geistert?
Wer redet den Leuten riesige Angst ein, wo sie eigentlich gar keine Angst haben müssen? Wer täuscht den Menschen eine scheinbare Sicherheit und Stabilität vor, die in der Wirklichkeit gar nicht existiert, nicht existieren kann und -bedenkt man es richtig- gar nicht existieren sollte?  Wer setzt auf starke Gefühle und heftige Emotionen, wenn Verstand und Überlegung sinnvoller sind?

Cui bono? Wem zum Nutzen?

Mittwoch, 25. März 2009

Der Kampf um die Glühbirne

Brüssel verbietet die Glühbirnen, weil die Bürokraten und Funktionäre in Brüssel besser wissen, wie die Bürger in Europa ihren Strom in Licht umwandeln.

Die einzelne Lampe spart Strom, viele Lampen sparen viel Strom, viel Strom zu sparen ist gut für das grün-ökologische Gewissen. Für mehr nicht. Ablasshandel im 21JH neu aufgelegt, die katholische Kirche wird sich ärgern, nicht selbst darauf gekommen zu sein.

Eine weitere Ebene des Spiels ist der Machtkampf der EU-Bürokraten über das Bürgerverhalten. Was lassen sich die Bürger noch alles vorschreiben, befehlen, wegnehmen - wo ist die Grenze für den staatlichen Einfluß, das "Durchgreifen" in die Privatsphäre der Bürger? Hier bei den Glühbirnen jedenfalls nicht. Das ist den Bürgern erstmal nicht so wichtig. "Es ist doch für die Umwelt gut!", meinen sie. Vielleicht ist es auch für die Firmen gut, deren Lobbyisten es geschaft haben, die EU-Bürokraten zu einem neuen Machtspiel zu verleiten.

Es gibt ja eigentlich wesentlich wichtigere Fragen im Leben, nicht nur für die Menschen im vergleichsweise reichen Europa. Es geht um Massenmord in Afrika, Kindersterblichkeit, sauberes Trinkwasser, Wohlstand für den ärmeren Rest des Planeten, es geht um Millionen Menschen und deren Überleben und Wohlergehen. Da ist es sicherlich (nicht?) angemessen, dass sich "die Politiker" zuerst mal um die Glühbirne kümmern! Das wäre auch nicht anders gegangen, nein! Es braucht Politiker, um den dummen Bürgern (abwertend genannt "Verbraucher" - das schlimmste Schimpfwort, dass man einem mündigen Bürger sagen kann!) mal endlich zwangsweise begreiflich zu machen, dass man mit weniger Energie die gleiche Menge Licht erhält, bzw. mit einer gegebenen Energiemenge weniger ("unnütze"?) Wärme erzeugt. DAS kann ein "Verbaucher" mit seinem kleinen bischen Verstand nicht selbst bemerken! Ein dummer "Verbraucher" kann nicht im Regal selbst entscheiden, was er beim nächsten Mal in die Fassung schrauben wird, welche Farbe, welche Form, welche Technologie! Vielzuviel Auswahl, eine Überforderung, da ist er wieder, der berühmte "Konsumterror"!

Das wollen doch "die Politiker" nicht, dass der "Verbraucher" überfordert wird. Vielleicht würde er sogar noch selbst anfangen NACHZUDENKEN oder zu WÄHLEN. Vielleicht würde er merken, dass seine Handlungen Folgen haben. Für diese Folgen müsste er selbst zahlen! Vielleicht würde er diese Erkenntnis sogar auf die EU-Bürokratie richten und sich überlegen, was er davon hat, wenn dort immer mehr und immer schlechter regiert wird. Der Verbraucher könnte - und das hat er bei seiner Glühbirne gelernt - WÄHLEN, was für ihn selbst das beste ist. Das wären dann bestimmt nicht die bisher handelnden Bürokraten und Gottspieler. Das sollte man doch verhindern, oder?

Also: WEG mit der GLÜHBIRNE! HER mit der sozialistischen Diktatur!