Mittwoch, 10. Juni 2009

Geldbeutel und Moral der Wahl

Die Tage hatte der Autor eine kleine Diskussion im Twitter: sie begann mit der getwitterten Frage: "was sollte man wählen?" und meinem Vorschlag: "schau in Deinen Geldbeutel, denke an heute und morgen und wähle FDP!" Daraufhin bekam ich ein paar Fragen, ein bischen Kritik "boah ist das platt" - zählt nur das Geld? Kann man die ganzen Gründe SO einfach zusammenfassen? Geld ist doch pfui, da MUSS doch noch mehr sein!?

Twitter eignet sich leider nicht, ein komplexeres Thema in nur 140 Zeichen zu pressen, also muss ein Blog geschrieben werden, um meine Gründe und Überlegungen zu erläutern, in den eigenen "Geldbeutel" zu schauen.

Geldbeutel

Was heisst "Geldbeutel" in diesem Zusammenhang? Ich meine mit "Geldbeutel" alle (finanziellen) Einkommen, alle Guthaben, die Güter, den Besitz und dessen Ersatz und Erhalt, vielleicht sogar dessen Mehrung in der nicht unmittelbaren Zukunft.

Warum gerade Finanzen, Güter, Rechte? Weil ich vom ganzen Herzen her "Wirtschaftswissenschaftler" bin. Ich habe gleich im (Grund-) Studium gelernt:
  1. Die Ressourcen der ganzen Welt sind begrenzt!
  2. Die Bedürfnisse (je)des Menschen sind unbegrenzt!
Daraus folgt, dass (jeder)man (und jederfrau auch) zu jedem beliebigen Zeitpunkt immer noch mehr haben will, man angesichts der begrenzten Ressourcen beliebiger Art damit sparsam umgehen muss, genannt "wirtschaftet".

Jeder Arme, jeder Nichts-Habende möchte mehr Essen, mehr Kleidung, bessere Wohnung - das ist ganz natürlich und fast jedem verständlich! Das auch Wohlhabende und Reiche, sogar die Super-, Mega- und Gigareichen immer "noch mehr" wollen, ist allgemein bekannt.

Ungewöhnlicher ist die Situation, die in Deutschland wohl in den letzten Jahren häufiger vorkommt, wenn Leute sagen "nee, danke - mehr brauche ich nicht! ich habe genug! Ich habe eine super sanierte Altbauwohnung in beträchtlicher Größe, verfüge über genügend Verkehrsmittel, habe Fahrräder, Autos, fahre aber Busse und Bahnen, es gibt für mich "genügend" Straßen und Radwege, ich brauche keinen Fernseher, ich habe Bücher und Musik, Strom kaufe ich "öko", mein Essen ist "bio"... Diese Menschen sind m.E. "wohlhabend" - viele davon gönnen sich auch den Luxus, ihr noch vorhandenes schlechte Gewissen mit Greenpeace-Mitgliedschaften und Links/Grünwählen zu beruhigen. Lassen wir diese Luxusgeschöpfe, grüssen Paris Hilton in ihrer Luxusblase und wenden uns mehr dem Mittelstand zu.

Nehmen wir stattdessen an, es handele sich um einen Mann und eine Frau, untereinander durch "Ehe" verbunden, gesegnet oder geschlagen mit zwei Kindern, gesunden (Groß-)Eltern und mitten im Leben stehend. Haben diese "genug" Ressourcen? Eher nicht. Die staatlich finanzierten und überregelten Schulen bilden mehr schlecht als recht aus, von dem meist schwerer verdienten Einkommen nimmt der Staat den Großteil weg, Großgrundeigentum oder Seeschiffe sind eher selten. Fassen wir die (verschiednen) Vorstellungen, Wünsche, Erwartungen und Überlegungen zu einem "virtuellen" Entscheider namens "Haushalt" zusammen, der über einen (gemeinsamen) "Geldbeutel" nach freiem Willen und im Rahmen der geltenden Gesetze verfügt.

Wie können die (unbegrenzte) Bedürfnisse des Haushalts am besten befriedigt werden? Vorausgesetzt es gibt den "Schleier des Geldes" wird der Haushalt aus den gesamten Güter- und Dienstleistungsangebot von dem Gewünschten in einer Auswahl so viel kaufen wie er kann, um seinen Nutzen zu maximieren. Dies nennt man (s)einen "Warenkorb". Dieser Warenkorb enthält alles, was dieser Haushalt zu diesem Zeitpunkt wollte.

Der Haushalt kann nicht alles kaufen, er kann nicht beliebige Mengen bezahlen. Er kann übrigens auch nicht unendliche Mengen konsumieren, praktisch hat alles einen Sättigungspunkt. Satt Essen, satt Trinken, viel Sex - irgendwann ist Schluß - es gibt einen "Grenznutzen", ab dessen erreichen weiterer Konsum keinen positiven Nutzen mehr stiftet.

Was auch immer die Menschen "glücklich" machen soll, ist dabei nicht beschrieben und kann offen bleiben - es kann sich um Güter handeln, es kann sich um Dienstleistungen handeln, um schöne Wohnungen, tolle Reisen, gutes Essen - vielleicht auch um bessere Luft oder eine bessere Ausbildung, weite Reisen in exotische Gefilde - das mag jede(r) selbst entscheiden. Es sind meist mehrere solcher Sachen, die der Haushalt will, seltener eine einzige Sache. Dies führt uns zu einem zeitlich dynamisch veränderlichen Bündel von Bedürfnissen, die mehr oder weniger befriedigt werden sollen.

Die maximale Befriedigung des betrachteten Haushaltes ist nur möglich wenn der Geldbeutel optimal ausgenutzt wird. Dabei ist auch der empfundene "Nutzen" von Spenden, Geschenken enthalten, die vom Haushalt getätigt werden. Er bekommt dafür keine Waren, keine Rechte - sondern ein gutes Gefühl: auch das befriedigt!

Wofür der Haushalt sein Geld ausgibt, das ist seine Sache - über den Geschmack wird nichts ausgesagt. Keine Aussagen über Ernst Mosch, Gelsenkirchener Barock, über Tokyo Hotel oder die Kelly Family - das ist allein sein Bier. Einer spendete sein Millionenvermögen dem Vietcong! Andere stehen mehr im üblichen Leben und wollen im nächsten Jahr dem Filius ein neues Fahrrad kaufen, womit wir wieder beim Warenkorb wären.

Da "Geld" nur ein universelles Tauschmittel für den differenzierten Warenkorb ist und wie ein Schleier über allem Tausch und Handel liegt, braucht man sich um das Geld als solches garnicht kümmern und nur die Nutzen betrachten. Nach Ansicht vieler Wirtschaftswissenschaftler ist das gesamtwirtschaftliche Nutzenoptimum für alle am besten erreicht, wenn jeder sich um seinen eigenen Kram kümmert.

Also kümmere sich jeder um seinen Geldbeutel mit dem er machen und besorgen kann was er will, meint und braucht (Beispiel). Wenn der Geldbeutel gut gefüllt ist, kann man damit viele schöne, sinnvolle, ethische Dinge tun, Nutzen stiften. Wenn der Geldbeutel leer ist, muss man sich auf andere Sachen konzentrieren - vergleiche die Maslow´sche Bedürfnispyramide. Welche hoch-ethischen und wertvollen unbepreisten Dinge jemand individuell haben oder machen will, mit Geld ist es einfacher, wie ohne Geld im Geldbeutel.

q.e.d.
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