Mittwoch, 9. Juni 2010

Was so alles passiert ... III

Neulich hat sich der Bundesvorsitzende der FDP Dr. Guido Westerwelle (natürlich in einem Interview) verbeten, ihm öffentliche Rat- oder Vorschläge zu unterbreiten. Diese sollten schon deshalb weder zur Kenntnis genommen, noch ausgeführt werden. Was meinte er damit?
  • Meinte Dr. Westerwelle damit die so böswilligen wie schlechten Vorschläge z.B. des noch amtierenden SPD-Chefs Gabriel? Da kann man ihm nur zustimmen.
  • Meinte er vielleicht die Fragen und Vorschläge, die sich in Leserbriefen der klassischen Holz-Medien und auch in "diesem Internet" stapeln, und in denen FDP-Wähler und auch bisherige FDP-Mitglieder ihre Verwunderung und Misbilligung ausdrücken, dass die "FDP"-Fraktion eine Politik GEGEN die eigene Beschlußlage exekutiert?
  • Sagte er noch mehr, aber es wurde halt nicht so von dem Redakteur aufgeschrieben, der Redaktion überarbeitet, Chefredakteur oder Herausgeber geändert, der Zeitung gedruckt, wie tatsächlich gesagt?
  • Meinte er etwas anderes? 
Der Autor sieht sich jedenfalls eher in der zweiten Gruppe, der von den so plötzlichen wie großen Entscheidungen überraschten und versteht darunter vor allem die Message: 
WIR sind jetzt gewählt, wir HABEN das Mandat und wir werden uns von EUCH da unten schon gar nicht rein reden lassen. 
Über den "internen Dienstweg" hat man schon abschließend geurteilt - ein "imperatives Mandat" sehen die Liberalen nicht ein. Parteitagsbeschlüsse sind auf keiner Ebene für die Mandatsempfänger "bindend", nein man kann - aus welchen Gründen und für welche Vorteile auch immer - davon abweichen und auch gerade das GEGENTEIL entscheiden und kein popeliges Mitglied kann es ändern! "Wir entscheiden allein" und dieses "Wir" ist der Pluralis Majestetis, gottgewollt ins christliche Amt gekommen und alleine Gott verantwortlich - man erinnert sich.

Woran könnte die Ablehnung öffentlicher Ratschläge noch liegen?
  • Könnte es einen Anteil haben, dass in Partei- und Vorfeldorganisationen bisher nur belohnt und befördert wurde, wer sich der gerade herrschenden Meinung und deren Vertretern so kritik-, sang- und klanglos ein- und unterordnete und nun solches Verhalten auch eingefordert wird?
  • Könnte es auch daran liegen, dass alles als "eigene" Ideen erscheinen muss, dass in der Partei keinerlei Teamspieler, sondern nur sich gegenseitig hassende Einzelkämpfer "führen"?
  • Könnte es auch eine Angst sein, nicht überall als der Beste, Schlauste und Schnellste zu erscheinen, Wissenslücken einzugestehen, auch mal Rat von anderen anzunehmen - der eigenen Karriere schaden könnte?
  • Könnte es sein, dass jegliche Fragen bzw. deren Antworten aufzeigen könnten, dass getroffene Entscheidungen schlichter MIST sind ("Der Kaiser ist doch NACKT") und man diese Erkenntnis ungerne in der Öffentlichkeit zugeben möchte?
  • ...
Wenn der interne Weg nicht zählt, der öffentliche Weg ignoriert wird, welche Alternativen bleiben einem noch?
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