Freitag, 22. Januar 2010

Was bedeutet denn "Christlich-Liberal" ?

Jemand hat einen neuen Begriff gefunden und die regierende Bundeskanzlerin Merkel nimmt diesen Begriff gleich auf, die Fraktion ihres Kanzlerwahlvereines folgt ihr sofort nach. Ab sofort ist die Koalition aus CDU, CSU mit der FDP eine "christlich-liberale" Koalition, aber noch viel wichtiger: eine "christlich-liberale Regierung"!
Farben sind out - die CDU/CSU ist nicht mehr schwarz, die FDP nicht mehr gelb, die Roten sind nicht mehr rot oder dunkelrot oder rest-rot, die Grünen nicht mehr grün.

Die CDU/CSU fasst ihre ganze Programmatik, ihr Personal, ihren selbsterteilten Auftrag, ihr Streben und Sehnen in einem Begriff zusammen: "Christlich"! Die C*U sind vor allem anderen "Christlich" und das ist wohl nicht wischiwaschi Christlich, sondern eher freikirchlich-protestantisch, sondern eher streng römisch katholisch - also irrational-nonwissenschaftlich. Schaut man sich die kompetente Sozialpolitik, die gekonnte Frauenpolitik des bayrisch stämmigen Kirchenstaatsoberhauptes B. an, wird der Umfang der "geistig-moralischen Wende" klarer.

Genial der Schachzug, die schon immer bekannt gottlosen Sozialdemokraten mit diesem Federstreich mit dem Rücken an die Wand zu führen bzw. zu Kreuze kriechen zu lassen (Wann geht Steinmeier seinen Gang nach Canossa und schwört dem Sozialismus wieder ab?


In unserem Grundgesetz ist die Trennung der (christlichen) Kirche vom Staat nur Theorie geblieben. Der deutsche Staat zieht die Beiträge für die christlichen Kirchen ein, in den staatlichen Schulen hängen christliche Kreuze von den Wänden, die Eidesformeln werden unter Verwendung der christlichen Bibel gesprochen. Wird die so betont christliche Koalition das verbessern? Wohl eher nicht, obwohl oder weil Teile jetzt betont "christlich" sein wollen.

Was hat "christlich" mit dem modernen, deutschen Staat zu tun? Ist der Staat von Christen für Christen errichtet, kann, darf, soll andere vorhandenen Religionen dadurch benachteiligen? Ist die Erkenntnis noch vorhanden, dass der Staat NEUTRAL zu jeglicher Religion sein sollte, damit er nicht eine Religion zulasten (aller) anderer Religionen bevorzugt? Wollen wir die Diskussionen ob oder wie weit Politik und Relgion zusammengehören jetzt von den Taliban importieren?

Warum nicht gleich einen sowieso staatlicherseits bezahlten (Erz-?)Bischhof wieder zum Sozialminister machen - die "christliche" Soziallehre kennt man hier seit 2000 Jahren? Vielleicht gleich zum christlich-liberalen Superminister für christliche Wirtschaft, christliche Arbeitnehmerschaft (Ora et Labora!) und christliche Finanzen, denn der Vatikan hat sich ja über 2000 Jahre auch finanzieren können?! Will die CDU/CSU den Pius-Brüdern oder den anderen Kreationisten vielleicht auch das Forschungsministerium übergeben: Tschüss Darwin, hallo zum "intelligenten Design"? Hessens Ministerpräsident Kochs letzte Bildungsministerin Karin Wolff war schon drauf und dran, diesen Quatsch in die hessischen verbindlichen (Zwangs-)Lehrpläne aufzunehmen. Gibt es in Bayern, in den Bundesministerien noch (Arbeits-)Plätze für Nicht-Christen? Heute NOCH und morgen auch? Wie kann einem christlichen Minister zugemutet werden, mit nicht-christlichen Mitarbeitern arbeiten zu müssen! Im Libanon geht es ja auch!

Was ist mit den Bürgern, die sich gerade in der christlichen Kirche nicht mehr richtig aufgehoben fühlen, die aus Zweifeln oder aus Ablehnung von Religion nicht (mehr) der christlichen Kirche angehören wollen. Ist die Cdu/Csu für diese Bürger noch die richtige Partei?


In der FDP-Fraktion des Bundestages gründet sich neulich eine "christliche Gruppe". Von der Gründung einer moslemischen, agnostischen oder atheistischen Gruppe in der FDP-Fraktion hat man nichts gehört. Ist die durch Koalition verbundene betont-christliche FDP noch die richtige Partei für Agnostiker, für Atheisten, für die noch vorhandenen Anhänger eines religiös-neutralen Staates, für Moslems, für Buddisten, für die Anhänger aller anderer Religionen? 
Was "um Himmels willen" hat den liberalen (!?) Oberboss dazu bewogen, sich auf eine religiöse Formel für die Regierungsbezeichnung einzulassen, die den Liberalismus mit einer (!) Religion verknüpft? Ist denn den Bürgern überhaupt noch klar, was daran "liberal" sein soll? Was ist
  • "sozial-liberal"
  • Bürgerrechts-Liberaler (Hirsch, Baum? Oder wie SLS und Piltz?)
  • Markt-Liberal (Lambsdorff oder wie Brüderle?)
  • Steuer-Liberal (Solms?)
  • ...
Was ist aus der "Aufklärung" geworden, für die früher die Liberalen standen? Was ist aus dem Ansehen der Wissenschaft und Technik geworden? Die grünen Recht-Gläubigen an die unübertroffenen Segnungen des Mittelalters, der Sehnsucht nach dessen "Reinheit" von der bösen, giftigen Chemie, Pharma, Ölindustrie, Atomkraft, GEN-TECHNIK hat nun auch das Superhirn der BundesREGIERUNG erreicht.
Lasst uns knien, wir preisen unseren Herrn in der Höhe und seine Statthalterin auf Erden! Lasst uns an das (nichtvorhande) Wachstum und die wundersame Genesung der Staatsfinanzen GLAUBEN! Auf die Selbstheilungskräfte der christlichen Gesinnung von Investment-Bankern, Aufsichtsräten, Ratingagenturen und Wirtschaftsprüfern! Auf Rücksichtnahme und Almosen an die reichlich vorhandenen (geistig und geistlich) Armen und wer dies nicht begreift muss BKA und Bundespolizei mal schnell mit dem Knüppel den Weg zur moralischen Wende vormachen: So muss man z.B. bei Flughafenkontrollen demütig stehen bleiben und warten, bis der christliche Inquisitor die Inspektion des unheiligen technischen Dinges abgeschlossen hat.

Wo steht die Bundes-FDP im weiten Feld des Liberalismus, dass sie sich (ohne Not) erlauben kann, dass sie einwilligt, in eine religiöse Koalition einzutreten?
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