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Sonntag, 22. Januar 2012

Ein Freund, ein guter Freund, ...

Fr. Rebecca Pini schreibt unvermittelt als Kommentar an einen meiner FB-Freunde:
"Sie haben auf Ihrer Freundesliste ein Menge Leute, die sich auf der rechtsextremistischen Plattform Politically Incorrect (PI) rumtummeln (ich habe über 50 gezählt). Also, wenn die zu diesem Freundestreffen kommen, dann verzichte ich gerne. Bin von [Anderer FB-Freund] enttäuscht, dass er sich mit diesen Leuten abgibt."
Man ist verblüfft: Diese Frau überprüft die FB-Freundeslisten der gutwilligen Leute, die den Fehler gemacht haben, sich mit ihr auf Facebook zu be"freund"en, ob oder wo diese Freundes-Freunde "sich tummeln".

Wen jemand auf der FB-Freundesliste hat, das ist m.E. seine eigene Sache. Die Bedeutung einer FB-Freundschaft kann relativ gering sein, z.B. rein technischer Natur ("Abo"). Selbst wenn jemand Stalin und Pol Pot oder Fr. Honecker oder Hr. Breivik auf der FB-Freundesliste hat, was soll das "bedeuten"?

Solche Analysen von mehreren Hundert FB-Freundschaften kostet doch einige Zeit, das macht einige Arbeit - wer bezahlt sie dafür, solche Analysen vorzunehmen? Die Stasi? Der KGB / FSB?

Fr. Pini hat sich darüber hinaus noch selbst berechtigt auch ein "moralisches" Werturteil über die FB-Freundesfreunde zu sprechen: Auf (von ihr selbst) bestimmen FB-Seiten darf man sich nichtmal "tummeln". Das ist fast so schlimm, wie die Erwähnung des ehemals dt. Wortes "Autobahnen" ("geht GAR NICHT!"). Man hat -nach der herrschenden Meinung von Fr. Pini- auch nicht mehr
"das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten." (früherer Artikel 5 des dt. Grundgesetzes)
Die verdiente Strafe folgt auf dem Fuße: Frau Pini wird nicht zu dem öffentlichen Treffen kommen, sie wird NICHT teilnehmen! Basta! Ob diese Drohung oder "Strafe" irgendjemand auf diesem Planeten nur im Geringsten bedauern würde, dass lässt der Autor dahingestellt.

Die weitere Strafe ist die öffentliche "Enttäuschung" über einen anderen FB-Freund, der sicherlich ebenfalls völlig unschuldig und unbeteiligt für die m.E. "kranken" Erwartungen von Fr. Pini ist, sie dementsprechend weder bewusst noch unbewusst enttäuschen wollte oder konnte. Natürlich gibt es auch keine Rechtsgrundlage für einen Anspruch von Fr. Pini, dass sich der Eine oder der Andere auf eine bestimmte Art und Weise verhält, äußert oder mit Personen ver- oder entfreundet. Dann muss halt die selbstaufgestellte Pini-"Moral" herhalten, fremde Leute zur selbst gewünschten Verhaltensänderung zu zwingen? OMG!
Wie ich meinen recht liberalen FB-Freund seit längerem kenne, wird mein beschimpfter FB-Freund weder diesen Ausrutscher noch das gezeigte "Verständnis" (oder den Hass?) auf Andersdenkende zum Anlass nehmen, sich seinerseits von dieser FB-Freundschaft zu verabschieden oder alle weiteren "Äußerungen" von Fr. Pini zu ignorieren ("dauerhaft blockieren"). Er wird sie nicht mal FB als SPAM oder Hass oder Beleidigung melden. Er ist m.W. ein Liberaler, er schreibt stattdessen:‎
Rebecca Pini: Heute sind Spielchen der "Gerüchtemacherei" sehr modern geworden. Ich poste hier gleich mal eine schöne Illustration die zeigt, welches Monstergesicht Gerüchte entwickeln können.
Ich bitte Sie: Fördern sie nicht eine unkonkrete und diffuse Bildung von Verdachtsmomenten und Gerüchten! Sie machen damit die Welt nicht besser.
Setzen Sie sich mit den Leuten auseinander von denen Sie meinen, dass diese rechtsextreme Positionen vertreten!
Der o.g. Kommentar der Fr. Pini gefällt der nicht näher bezeichneten erfahrenen Dozentin und Politologin Fr. "Christiane Schuricht", die vor ein paar Tagen durch Hasskommentare auffiel und aus liberalen FB-Gruppen rausgeworfen werden musste.
Christiane Schuricht kommentiert
Andreas, mit Verlaub... ich kenne die Mindener F.D.P. recht gut. Die Portaner auch. Äußere Dich, oder Du kannst SICHER sein, daß Dein Nichtverhalten Dir nicht zum Vorteil geraten wird. Günther Nolting war ein ECHTER Freund von mir. Falls Du das infrage stellst, wende Dich an meinen Onkel, Dr. F.-A. Pustkuchen. Kerlchen, mir reicht es langsam - Caroline hin oder her! Du hast die Namen, Du hast die Fakten - S-P-R-I-C-H! Sonst gibt es am Ende doch noch eine Schabadine, deren Folgen Du (und auch Dein Vater) nicht ertragen könntest! Offenbar möchtest Du ans Eingemachte. Na, denn man tau, wie mein Großvater sagen würde! Oder: Gute Nacht, Lieselotte, und zieh' Dich warm an - wie unsere gemeinsame Schulsekretärin sagen würde. Freund, ich habe die erste Demo organisiert, die Minden je gesehen hat. Ich habe den Schulfrieden in OWL massiv gestört, um meine/unsere Schule zu retten. Das weißt Du. Willst Du Dich WIRKLICH mit MIR ablegen?! Bezieh' Stellung - jetzt!
Fr. Schuricht nennt (m)eine FB-Freund "Kerlchen"? Da wird ganz konkret mit Körperverletzung durch persönlicher Angriff (Ohrfeigen) gedroht? Man gibt an mit Straftaten durch "massive Störung", um die eigenen (politischen/religiösen) Ziele zu erreichen? Das Facebook-Mitglied wird zu Aussagen genötigt?
Irgendwie erinnern diese Drohungen an das Verhalten der Taliban oder die berüchtigte NSU, was ja beides nicht so weit auseinander liegt.

Man staunt auch über die vermeindliche Erkenntnis dass auf der amerikanischen Plattform "Facebook" ganze Seiten "rechtsextremistische Plattformen" sind. Das ist nach den AGB von Facebook verboten und die Firma FB entfernt solche Seiten (im Gegensatz zu linksextremistischen Seiten) meist umgehend.

Der Autor verzichtet seinerseits gerne auf solche Gesinnungsforscher und Selbst-Distanzierer, die entscheiden wollen wo ich mitlese oder irgendwelche meiner FB-Freunde lesen. Vielleicht bin ich nicht so kraftvoll, duldsam und liberal, wie mein beiden werten FB-Freunde.

Update:
Ein anderer Fall: http://www.freiheitlich.me/?p=6291

Sonntag, 22. Mai 2011

Ypsilanti über Freiheit und das Kollektiv

Rolf Dederding schreibt in Facebook:
"Die perfekte Freiheit ist die Freiheit, die der Mensch hat, weil er Mensch ist. Einer der genialsten Köpfe der Menschheit, Thomas Jefferson, hat eines der wichtigsten Dokumente der Menschheitsgeschichte, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, geschrieben. In der Präambel heißt es:
"Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit. Daß zur Versicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingeführt worden sind, welche ihre gerechte Gewalt von der Einwilligung der Regierten herleiten; daß sobald einige Regierungsform diesen Endzwecken verderblich wird, es das Recht des Volks ist, sie zu verändern oder abzuschaffen, und eine neue Regierung einzusetzen, die auf solche Grundsätze gegründet, und deren Macht und Gewalt solchergestalt gebildet wird, als ihnen zur Erhaltung ihrer Sicherheit und Glückseligkeit am schicklichsten zu seyn dünket. Zwar gebietet Klugheit, daß von langer Zeit her eingeführte Regierungen nicht um leichter und vergänglicher Ursachen willen verändert werden sollen; und demnach hat die Erfahrung von jeher gezeigt, daß Menschen, so lang das Uebel noch zu ertragen ist, lieber leiden und dulden wollen, als sich durch Umstossung solcher Regierungsformen, zu denen sie gewöhnt sind, selbst Recht und Hülfe verschaffen. Wenn aber eine lange Reihe von Mißhandlungen und gewaltsamen Eingriffen, auf einen und eben den Gegenstand unabläßig gerichtet, einen Anschlag an den Tag legt sie unter unumschränkte Herrschaft zu bringen, so ist es ihr Recht, ja ihre Pflicht, solche Regierung abzuwerfen, und sich für ihre künftige Sicherheit neue Gewähren zu verschaffen." 
Die Schlüsselworte sind "unveräußerliche Rechte", "gerechte Gewalt" und "Einwilligung der Regierten". Ein unveräußerliches Recht ist ein Recht was untrennbar mit Ihrem Menschsein verbunden ist und untrennbarer Bestandteil dieses Menschsein ist. Ein Recht haben und es auszuüben, das sind zwei Paar Schuhe. Ein Machthaber kann Ihnen Ihre Rechte nicht nehmen, er kann sie höchstens dran hindern, Ihre Rechte auszuüben. Ebenso können Sie selbst auf die Ausübung eines Rechts verzichten, sich selbst Beschränkungen in der Ausübung Ihrer Rechte auferlegen, aber als Gebot der Logik können Sie niemals Ihre Rechte abgeben oder ablegen wie ein Kleidungsstück.

Der Kollektiv-orientierte Ideologe ignoriert all dies. Für ihn gibt es nicht den Menschen mit seinen unveräußerlichen Rechten, sondern nur das Kollektiv, das Volk, die Gesellschaft, die Arbeiterklasse, usw. Im Weltbild des Ideologen hat sich der Einzelne dem Kollektiv unterzuordnen, was ein unüberbrückbarer Gegensatz zum liberalen Weltbild ist. Wie weit das teilweise geht, können Sie der Rede der Andrea Ypsilanti vom 28.02.09 entnehmen, kurz nach dem Debakel mit den sog. "Abweichlern", die die Koalition mit den Linken nicht mitmachen wollten. Auszug aus der Rede:
"Wenn man kritische Fragen für tabu erklärt, sobald sich jemand auf sein Gewissen beruft, ist die politische Handlungsfähigkeit einer politischen Partei generell bedroht. Der Artikel 21 unseres Grundgesetzes weist den Parteien eine tragende Rolle in der
politischen Willensbildung zu. Wenn demokratische Mehrheiten in einer Partei zugunsten jeder beliebigen Gewissensentscheidung abgewertet werden, führt das die Parteiendemokratie in einen Auflösungsprozess. Und dann muss zwangsläufig die Frage beantwortet werden: was wäre der Ersatz dafür, wenn die einzelne Person mehr gelten soll als ein noch so eindeutiger Mehrheitsbeschluss einer Partei?"

(Vollständige Rede unter http://www.andreaypsilanti.de/html/13937/welcome/Reden.html)
Unabhängig davon, daß diese Rede unser Grundgesetz falsch wiedergibt und wesentliche Regelungen des GG in Frage stellt, ist besonders der letzte Satz des zitierten Abschnitts ein Augenöffner. Das Kollektiv, dem sich die einzelne Person unterordnen soll, ist in diesem Falle die Partei, die SPD. In der bizarren Konsequenz der Ypsilanti-Ausführungen ist nicht die Partei für den Menschen da, sondern der Mensch für die Partei.

Die Gegenüberstellung von Freiheit vs Anarchie ist also überflüssig, weil oft von Freiheit geredet wird ohne daß Freiheit gemeint ist. Jedenfalls nicht die Freiheit, die Thomas Jefferson sehr zutreffend beschrieben hat.
Wie steht es um die Gewissensfreiheit der FDP-MdB z.B. betreffend des Rettungsschirmes, des ESM oder in der Frage der MWSt-Reform oder bei der Abschaffung des Soli(daritätszuschlags auf die ESt)?