Sonntag, 12. Juni 2011

Informationsveranstaltung Kletterwald Gießen

Der Autor weiss schon länger, dass in Gießen ein "Kletterwald" eingerichtet werden soll. Gestern war eine städtische Veranstaltung, in der der Kletterwald vorgestellt werden sollte und die Bevölkerung die Möglichkeit hat, ihre Fragen und Bedenken einzubringen. Die Veranstaltung war in der Nähe, sie war zu einer vernünftigen Uhrzeit angesetzt, der Eintritt war frei, das Thema war interessant.

Als der Autor den Großen Saal im Kloster Schiffenberg erreichte, war er bereits gut gefüllt. Es waren zwischen 70 und 100 Personen anwesend, darunter auch die (grüne) Bürgermeisterin Gießens, Fr. Weigel-Greilich. Die Veranstaltung wurde moderiert von der "Stadt-Soziologin" Emmental (?), die nicht nur stimmlich ein wenig überfordert war.

Noch nie hat der Autor in Gießen eine städtische Veranstaltung gesehen, in der von der ersten Minute an die Emotionen von Teilen der Anwesenden so hoch waren. In meiner Nähe saßen Personen, die kaum noch atmen konnten, die Augen aufgerissen, den Kopf schüttelnd und jede städtische Aussage zischend kommentierend.

Noch nicht mal die Begrüßung konnte abgeschlossen werden, die Veranstaltungsagenda nicht vorgestellt werden, ohne das äußerst aufgeregte Mitglieder in agressivstem Ton das Wort verlangten und ihre Fragen und Unterstellungen in den Raum schleuderten. Warum würden die Bürger nicht als Erste begrüßt, war eine dieser Fragen, obwohl die anwesenden Bürger als erste begrüßt wurden.

Der beauftragten Moderatorin gelang es kaum, die sachlich richtigen und dringend notwendigen Regeln und Notwendigkeiten der städtischen Veranstaltung vorzutragen, geschweige denn durchzusetzen. Die Kritiker erklärten lautstark, sie würden nicht -wie vorgesehen- auf die Fragerunde warten, sie würden sich nicht das Wort entziehen lassen, keine Fragen vom Veranstalter verbieten lassen, obwohl keine Fragen oder Statements verboten wurden. Auch die angekündigte Vor-Ort-Besichtigung lehnen sie ab, man wüsste schon, wie es im Gießener Wald aussieht, das bräuchten alle Teilnehmer nicht nochmals sehen.

Die städtische Agenda umfasste einige Punkte, die sicherlich vorteilhaft zu besprechen waren, um alle Teilnehmer auf den gleichen Wissensstand zu bringen. Leider wurde sie als "Vorschlag" vorgestellt und sogleich von den Kritikern rundheraus abgelehnt, ohne das bessere Gegenvorschläge gemacht wurden, oder die Gesamtheit der Bürgerversammlung über die Tagesordnung abstimmen durfte.

Den vier bis fünf lautesten Kritikern und ihren Vorwürfen, Fragen wurde ungefähr die Hälfte der gesamten Zeit zu deren Verfügung gestellt, worauf hin sich die Störer keineswegs beruhigten, sondern noch mehr Gas gaben. Eine Einigung oder wenigstens eine Annäherung konnte m.E. an keiner Stelle und zu keinem Punkt erreicht werden.

Der Einführung folgte eine kurze, interessante Präsentation des interessierten Investors, der seine Pläne mit Zeichnungen und Bildern erklärte. Den Autor beeindruckte dabei die umfassende Ausrichtung an Umweltschutz, Rücksichtnahme auf kleinste Details. Dies war bestimmt nicht billig, nicht für den Investor, nicht für die Stadt. Diese Einführung wurde kaum gestört.

Den nachfolgenden Vorträgen, die leider von der Moderatorin selbst und nicht durch die Bürgermeisterin Weigel-Greilich vorgetragen wurden, erging es schlechter. Fast jeder Satz, jede gezeigte Folie wurde lautstark kritisiert und hinterfragt, obwohl klar angesagt wurde, dass Fragen bitte am Ende gestellt werden sollten.nicht

Der Eklat der Veranstaltung war, als sich die grüne Bürgermeisterin Weigel-Greilich, die natürlich ganz vorne saß, plötzlich ihre Freiheit "herausnahm", mal die Versammlungsräumlichkeiten zu verlassen. Vielleicht wollte sie mal die Hände waschen, vielleicht eine Zigarette rauchen oder ein Telefonat führen? Da sprangen die Kritiker von den Sitzen, schrieen "Ungeheuerlichkeit", verlangten die Gründe zu erfahren, warum sich die Grüne erdreiste, jetzt zu gehen. Fr. Bürgermeisterin konnte also nicht mal ins Treppenhaus gehen, kam wieder herein und stand dann den Rest im hinteren Teil des Raumes.

Durch eine geschickte Moderation gelang es der Versammlungsleiterin eine Abstimmung der Anwesenden über die Vor-Ort-Besichtigung herbeizuführen. Die schweigende Mehrheit (geschätzte 2/3 bis 3/4) wollten gerne besichtigen, während die Kritiker lieber im Saal weiter streiten wollten. Die Menschen entschieden durch eine Abstimmung mit den Füßen und verließen den Saal und spazierten in herrlichstem Wetter zur Grillhütte am geplanten Kletterwald, wo alle Teilnehmer vom Gießener Förster noch interessante Details erläutert bekamen. Die Stadt und alle Abteilungen haben sich gemeinsam mit dem Investor große Mühe für eine gute Lösung gegeben, dabei aber unnötigen Aufwand durchaus richtigerweise gescheut. Der Platz ist -nach Meinung des Autors- angemessen, geeignet, sinnvoll und einladend.

Es war richtig von der Stadt Gießen zu einer solchen Veranstaltung einzuladen, die Agenda war richtig und notwendig, die beigezogenen städtischen Angestellten sehr kompetent und sehr freundlich. Es wurden von auch Unterlassungen oder Fehler sofort eingeräumt, z.B. wurde ein Gutachten über die Tierwelt wegen Winters nur aus der Theorie geschrieben.

Der normalen Bevölkerung wurde ein guter Einstieg in das Thema gegeben. Die Kritiker konnten m.E. nicht abgeholt oder eingefangen werden.

Update:
Der Autor möchte noch nachtragen, dass es sich bei der gesamten Fläche für den Klettergarten um rund. 5 Hektar handelt, also 5 Flächen zu 100m*100m aus einem Gesamtbestand von rund 600 Hektar zusammenhängenden stadteigenem Waldgebiet direkt am Rande Gießens.
Eventueller Lärm vom Klettergarten sei -so der stadteigene Förster- bereits nach einem Kilometer nicht mehr hörbar.
  • PresseArtikel mit Ankündigung des Kletterwaldes
  • PresseArtikel mit Ankündigung für den März (!) 2011
  • PresseArtikel zur Kritik der "Schutzgemeinschaft Deutscher Wald" (Eigenbeschreibung: "Wir sind eine Gemeinschaft von engagierten Waldschützern, die die Schönheit und Gesundheit des Waldes erhalten wollen, gleichzeitig aber auch die waldschonende Nutzung befürworten. ... Eine weitere Aufgabe ist die konstruktive Mitarbeit zum Wohl des Waldes in vielen wichtigen Gremien. ... Nicht alleine der Schutz des Waldes steht bei der SDW im Vordergrund – sondern auch das Ziel, Menschen Wald und Umwelt näher zu bringen und damit das Umweltbewusstseins zu stärken. Die Kinder und Jugendlichen stehen hier besonders im Mittelpunkt des Engagements. "
  • PresseArtikel über die Kritik vom Naturschutzbeirat Gießens
  • PresseArtikel über den Kletterwald
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