Mittwoch, 4. November 2009

Was sind Ziele und Nicht-Ziele?

Kaum hatten wir das Ziel aus den Augen verloren, verdoppelten wir unsere Anstrengungen
Was ist ein Ziel? Angeblich wird an vielen Stellen "zielorientiert" gearbeitet, man hat ein Ziel oder sogar mehrere Ziele. Warum klappt es häufig nicht, diese "Ziele" zu erreichen?

Nehmen wir uns ein Beispiel: Ein praktischer fast beliebig gegriffener Auszug aus dem "Koalitionsvertrag" von CDU/CSU und FDP:
Wir wollen eine Steuerpolitik, die die Leistungsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger stärkt.
Die genannten Fraktionen der drei Parteien "wollen" eine "Steuerpolitik" [d.h. konstruieren, formulieren, diskutieren, im Bundestag gemeinsam beschließen, durch die Regierung ausführen lassen,...]. Soso!

Wir untersuchen jetzt nicht...
  • was dabei "Steuer" bedeutet (was dagegen "Gebühren", "Umlagen" oder "Sozialabgaben" sind),
  • welche Unterschiede sich bei "-politik" in Verständnis, Wollen, Können, Dürfen und Realität auf den unterschiedlichen Seiten des Schreibtisches auftun,
  • was gegebenenfalls unter "Leistung" oder "-bereitschaft" verstanden werden soll.
Dies zu wollen, hat man sich gegenseitig geeinigt und zugesagt. Kann das etwas werden? Können die Parteien dieses "Ziel" erreichen (, vorausgesetzt dass sie es tatsächlich erreichen wollen)? Woran wird es scheitern? Woran können und werden wir Bürger und Steuerzahler merken, dass es scheitert? Woran können wir vor der nächsten Wahl prüfen, ob oder wieweit dieses Ziel erreicht wurde?

Eine Antwort liegt in der Zielfindung selbst, u.a. in der Zielformulierung durch die Führungskräfte.

Fragen wir uns einfach ein paar W-Fragen, z.B. "woher, wohin und wann" und schon haben wir drei wichtige Eigenschaften von Zielen beschrieben. Leider wird in diesem "Vertrag" davon an keiner Stelle geschrieben:
  • Wir wissen nicht WAS heute ist, was genau geändert und was beibehalten werden soll.
  • Wir wissen nicht, WIE ungefähr oder genau es geändert werden soll.
  • Wir wissen nicht WOHIN es geändert werden soll.
  • Wir wissen vor allem nicht, wie man (Bürger, Steuerzahler, Parteimitglied, Presse, Opposition) kontrollieren kann, ob und wieweit das Ziel erreicht ist.
Vielleicht liegt es daran, dass auch im neuen Bundestag zu viele Rechtsanwälte arbeiten und zu wenige Menschen Erfahrungen aus Projektarbeit mitbringen? In der professionellen Projektarbeit kennt man Kriterien für "gute" Zielformulierungen, z.B. SMART oder AROMA. Da werden Zielfindungs-Workshops gemacht, um mit Auftraggebern deren Situation zu klären, deren Ziele sauber zu formulieren und sie in die Lage zu versetzen, entsprechende Prioritäten bei konkurrierenden Zielen zu setzen.

Was wäre ein "gutes" Ziel, man formuliert mal so:
Die durchschnittliche Steuerbelastung eines Durchschnittsverdiener-Ehepaares (X €) mit Durchschnittskinderzahl K soll von Y € in 2009 auf Z € in 2011 sinken, damit bei gleicher Kaufkraft (d.h. inflationsbereinigt) V € netto (d.h. mindestens 20% mehr) herauskommen.
Das kann man messen, das kann man kontrollieren! Dann kann man politisch über die "Parameter" streiten: reichen 10%, muss es in 2011 oder erst in 2012 sein?

Damit ist keine Einschränkung für das WIE man das Ziel erreicht. Es ist auch nicht gesagt, was es wen wann und wieviel kostet, um das Ziel zu erreichen. Meist gibt es viele verschiedene Handlungsmöglichkeiten ein Ziel zu erreichen. Manche gehen schnell, manche sind günstig, manche sind einfach - Man kann nur zwei davon auswählen.

Erst wenn die Kosten oder der Aufwand bekannt ist, kann man Entscheidungen treffen. Aber das wird eine andere Geschichte...
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