Sonntag, 20. März 2011

FDP-Wahlergebnis über 5% - Klasse?

Angesichts der "guten" 6,7%-FDP-Wahlergebnisse bei der letzten Hamburger Wahl und den anstehenden Wahlergebnissen möchte der Autor eine Geschichte erzählen, die er mal gehört hat:
In einem dt. Großbank hat der Bereichsleiter jahrelang bei jeder der Vorstandssitzungen berichtet, dass man die wichtigste Kennzahl (Gewinn, Deckungsbeitrag, Rendite, etc) um rund 10% hat steigern können. Dies hat der Vorstand mit Befriedigung und Wohlwollen zur Kenntnis genommen und sich darauf eingestellt.
Eines Tages fährt der Bereichleiter in Urlaub und der Assistent "darf" die Bereichszahlen vortragen. Er trägt vor, dass der Bereich wieder weitere 10% geschafft hat. Er trägt auch vor, dass der Bereich bei entsprechender kleiner Unterstützung / Genehmigung / Duldung des Vorstandes es mit den bestehenden Ressourcen auch zu einer Steigerung von 30% in der Lage wäre.
Der Bereichleiter brauchte aus dem Urlaub gar nicht wiederkommen. Ihm wurde sofort gekündigt, weil er das vorhandene und erreichbare Potential nicht ausgeschöpft hatte. Der Vorstand hatte die letzten Jahre die 10% goutiert, weil ihm nicht bewusst gemacht wurde, welche weiteren Möglichkeiten für die Firma und deren Aktionäre bestanden. Die (Selbst)Beschränkung auf den vermeintlich bewährten, sicheren Pfad kostete den Bereichsleiter seinen Arbeitsplatz.
Die FDP stand jahrzehntelang in der Wählergunst und bei den Wahlen immer um die 5%. Jede Wahl war für die FDP eine Zitterpartie, OB die FDP von 5% der Wähler in das jeweilige Parlament gehoben wird. Die Freude war groß, wenn dies geschah (z.B. in Hamburg mit 4,8% der Stimmen), das Leid ebenso, wenn es nicht geschah (3,7% in Sachsen-Anhalt im März 2011). Dann hat die FDP einmal (2002) bundesweit mit einer "Strategie 18" geworben, dessen oberster Protagonist Dr. Guido Westerwelle aus der FDP-NRW war, der u.a. in einem "Guido-Mobil" in Deutschland wahlkämpfend herumreiste.

Bei der Bundestagswahl 2009 hat die FDP unter der erfolgreichen und mitreißenden Führung von ebendiesem Dr. Guido Westerwelle bundesweit 14,6% der Wählerstimmen bekommen. Zu den besagten 18% hätten nur noch 3,4% Prozentpunkte gefehlt. Der FDP wurde darüberhinaus zu dem Zeitpunkt und Wissensstand ein Potential von 20% bis 25% der Stimmen zugetraut.

Wie konnte es zu solchen Verbesserungen kommen? Einerseits haben sich alle anderen Parteien als allesamt mehr oder weniger staatssozialistisch herausgestellt und die eine Partei, die sich in ihrem Programm und Wahlaufruf als steuer- und wirtschaftspolitisch kompetent und gerade NICHT staatsfixiert anbot, galt als wirkliche, einzige Alternative für verärgerte und enttäuschte Wählerschichten. Andererseits wurde von der FDP-Führung nachhaltig behauptet, man würde fühlbare Steuersenkungen, Schulden- und Bürokratieabbau durchsetzen oder in der Opposition bleiben.


Der Wurm an der Angel muss dem FISCH schmecken, nicht dem Angler (Volksweisheit)
Warum soll man FDP wählen? Damit
  • die obersten Kandidaten der FDP-Liste in das Parlament kommen, 
  • an Mandate, Diäten, Posten, in Kommissionen kommen, 
  • damit FDPler darüberhinaus noch zusätzliche Posten in die Regierung erhalten
  • in der Bundespartei aufsteigen, dort an mehr Posten, in mehr Kommissionen vertreten sind, 
  • sich um die gleichbleibend hohen oder sogar noch deutlich steigenden EINnahmen des Staates Gedanken machen und kümmern, 
  • mehr und mehr komplizierte Gesetze machen, 
  • mehr und öfter reglementieren, 
  • die Ausgaben für überteuerte Energiekosten noch steigern
ODER
wird der Wähler oder die Wählerin in der Wahlkabine doch mehr an ihre eigene Situation denken, namentlich
  • ob die FDPler dafür sorgen wird, dass man einen Arbeitsplatz bekommen kann, 
  • dass man von seinem Lohn NACH Abzug aller staatlichen Steuern und Abgaben noch leben kann, 
  • dass man weiterhin nach eigenem Belieben reisen kann
  • dass man für sein Geld möglichst viel Benzin und viel Heizung bekommen kann?
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