Sonntag, 27. Juni 2010

Politische Desorientierung

Der bayrische Staatsminister für Kultur erwähnt in einem Focus-Interview:
„Die gewaltigen Informationsmengen, die sich durch das World Wide Web bewegen, bergen natürlich auch die Gefahr der Desorientierung.“ Die Herausforderung für den einzelnen bestehe in „der Fähigkeit zur Auswahl“, so Neumann zu FOCUS. „Eine sinnvolle Auswahl ist nur möglich durch kritischen Umgang, durch Unterscheidung und Bewertung. Um dies zu leisten, muss man erst einmal vergleichen können. So wie Literaturkritik ohne Vergleich mit Referenzwerken der Weltliteratur nur eine halbe Sache wäre, ist auch der Umgang mit der Google- und Facebook-Welt ohne Bezug auf gesicherte Informationen und Wertungen nicht ausreichend.“
Der Autor fühlt sich an den Film "Club der Toten Dichter" erinnert, in welchem ein Lehrer mit dem berühmten 'Understanding Poetry,' von Dr. J. Evans Pritchard, Ph.D. zitiert, wo es u.a. heisst:
As you proceed through the poetry in this book, practice this rating method. As your ability to evaluate poems in this matter grows, so will, so will your enjoyment and understanding of poetry.
Dort war es üblich, selbst Gedichte zu messen und zu wiegen, es ist Anpassung und Unterordnung das gut gemeinte Unterrichtsziel. Mündige Bürger, zu eigenen Gedanken fähig, ist für Eltern und den Lehrkörper nicht gewünscht.


Ist es in Bayern möglicherweise für manche "drohenden" Gefahren vertrauensvoll in die vergleichsweise gut ausgebildeten Hände der Bevölkerung zu legen, oder wird mit Pritchard der Bürger an die Hand genommen, reglementiert, kontrolliert, die Phantasie genommen, ihre Einzigartigkeit genommen?

 Ist das eine Ankündigung, dass sich der Staat auch in diese inzwischen 40 Jahre neue Technologie "reglementierend" eingreifen wird, also eine Drohung? Warum beteiligt sich Bayern so aktiv beim JMStV? Welche Rolle spielt der bayrische Kulturminister bei der Internetzensur? Hat das bayrische Kultusministerium vertrauen in die Bürger?
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