Freitag, 18. Dezember 2009

Widerliche Unworte: "Dürfen" und "Müssen"

Immer wieder liest und hört man die Worte "dürfen" und "müssen" in der politischen Diskussion, in Pressemitteilungen und "Statements" im Rundfunk.

1. Dürfen
"Dürfen" impliziert immer eine Erlaubnis und ein Verbot - vielleicht ist dieses Wort das deutscheste Wort überhaupt - das Kondensat allen Untertanen-Geistes, der noch immer deutlich in Deutschland wabert.

"Die Kinder spielen laut im Garten."- "Dürfen die das?"
"Darf das ZDF im Internet die Nachrichten einstellen?"
"Darf ein erwachsener vollmündiger Bürger sich aus öffentlich zugänglichen Quellen unkontrolliert selbst informieren?"

Warum ist etwas verboten, warum nur manches erlaubt? Gilt in Deutschland nicht mehr, dass ALLES erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist?

Die Frage "dürfen?" will ich nicht mehr hören.

2. "Müssen"
Ein Apfel, den man fallen lässt, MUSS zum Erdmittelpunkt stürzen, schneller und schneller. Ein Flugzeug MUSS irgendwann irgendwo wieder landen. DAS ist MÜSSEN. Da gibt es kein Vertun, keine Entschuldigung, keine Gründe, das MUSS.

Wenn Politiker sagen "wür MÜSSEN mühr für dü Büldung tün" - dann ist das gelogen. Vielleicht WOLLEN sie mehr tun, vielleicht glauben sie dass es für sie selbst besser wäre, wenn... aber MÜSSEN tun sie nicht.

Man versteckt sich beim "Müssen" hinter irgendwelchen Sachzwängen, hinter (vorgeschobenen?) Gründen, hinter von Menschen gemachten Gesetzen, die auch wieder geändert oder ausgesetzt werden können. Man verweigert sich des Entscheidungsspielraums und der eigenen Verantwortung. Wer MUSS, der trägt keine Verantwortung, nur wer WILL trägt sie.

"Man muss die Musik jetzt leiser machen" ? Nein, MUSS man nicht, wenn man gewillt ist die gesetzlichen Sanktionen (=Verantwortung) dafür zu tragen.
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